FacebookGoogle+
Zeugnisse - Wozu?
Kai 2008: Sein erster LEB (Lernentwicklungsbericht)
= Textzeugnis mit Tutoren- und Schülerbrief

Rückmeldesysteme der Gesamtschule Emsland - Lernentwicklungsberichte

1. In den Jahrgängen 5 bis 7 gibt es an der GE keine Ziffernzeugnisse, sondern Textzeugnisse. Sie sind Teil der in der GE gepflegten Rückmeldesysteme, wie Tischgruppengespräche, informelle Gespräche im Ganztag zwischen Schüler und Lehrern, Fachlehrersprechtag, Beratungsgespräche, Kommentierung von Lernkontrollen und Rückmeldung zu Tests, Wochenplanmappen und anderen erbrachten Lernprodukten (Bilder, Darstellende Szenen, Musikaufführungen, Lesetagebücher, Präsentation und vieles mehr).

2. Der Anteil der mündlichen Rückmeldung ist naturgemäß hoch und durch ein Klima der gegenseitigen Achtung sehr wertvoll. Zudem sind die Möglichkeiten zu Gesprächen im verpflichtenden Ganztagsbetrieb systemisch gewollt. Motivation entsteht durch in Aussicht gestellten Erfolg des jeweiligen Handelns. Das klingt einfach, ist in Schule aber deswegen erschwert, weil in großen Gruppen gelernt werden muss. Hier gibt es nur die Möglichkeit Individualisierung des Tempos und des Anspruchs zu betreiben. Hinzu kommt als wichtigster sozialer Faktor eine Atmosphäre von Vertrauen und Zuversicht zwischen Lehrendem und Lernendem. Die schriftlich fixierten Lernrückmeldungen sollten diesem Prinzip nicht zuwider stehen.

3. Es bietet sich also ein schriftliches Rückmeldesystem an, das diese Atmosphäre gegenseitigen Vertrauens nicht unterbricht, sondern das zweimal im Jahr sozusagen als geronnene Gesamtrückmeldung fungiert und den gesamten Prozess für Eltern und Schüler zusammenfassend dokumentiert. Ziffernnoten sind für einen derartigen Prozess nicht gut geeignet, weil sie eine scheinbare Objektivierung auf eine Bezugsgröße liefern, die nicht vom Individuum ausgeht, sondern von der Bezugsmasse Jahrgangsdurchschnitt (mit allen bekannte Fehlern, der Lehrer wählt z. B. normalerweise die Bezugsgröße Klasse, womit jede Vergleichbarkeit der Noten schon beendet ist).




4. Ausweg sind individuelle Lernrückmeldungen, die als Bezugsgröße den jeweiligen Schüler mit seinen Möglichkeiten nehmen. Hier wird vom Lehrenden viel Diagnosearbeit verlangt, viel Einfühlungsvermögen und psychische Kraft, dort zu ermutigen, wo Zaghaftigkeit, Lernhemmung und Frustration herrscht, Kritik zu üben, wo Bequemlichkeit hinter den eigenen Möglichkeiten zurückbleiben lässt. Die Lehrerinnen und Lehrer der GE haben, wie die Rückmeldungen deutlich zeigen, darin im Laufe der Praxis mit individualisierten Rückmeldungen beachtliches Geschick erlangt.

5. Lernfortschritt verläuft nicht in gradlinigem Aufbau, sondern ist durch Versprünge, Rückschritte und Ungleichzeitigkeiten gekennzeichnet. Rückmeldungen sollten dem Lernenden und seinen Eltern also niemals den Eindruck vermitteln, Begabung sei statisch (einer ist schlau, ein anderer dumm!), sondern die Dynamik der Entwicklung betonen. Deswegen heißen die Halbjahresrückmeldungen der GE Lernentwicklungsberichte. Sie sind sprachlich so gestaltet, dass sie nicht urteilen, sondern beraten, wie weitergearbeitet werden kann und wie welche Probleme beseitigt werden können.

6. Um den dialogischen Charakter der LEBs zu betonen, bestehen sie aus Briefen: dem Tutorenbrief, den Fachlehrerbriefen und dem Schülerbrief. Der Schüler wird nämlich nicht als „Gegenstand der Belehrung“ angesehen, sondern ist aktives Mitglied bei der Planung und Durchführung seines Lernprozesses. Der Tutorenbrief gibt deutlich über unterrichtliche Prozesse hinaus Rückmeldung zum gesamten Sozial- und Arbeitsverhalten. Die Fachbriefe geben Rückmeldungen des einzelnen Fachlehrers wieder und auch der Schüler schreibt einen Brief zu seiner eigenen Lernentwicklung, der auch Rückmeldungen für die Lehrer beinhalten kann. Dieser Brief ist offizieller Bestandteil des LEBs.

7.Eine weitere Funktion von Zeugnissen ist die formale Qualifikation. Sie drückt sich aus in der Vergabe von Abschlüssen, die den Zugang zu weiteren Bildungsinstitutionen oder Berufsausausbildungen regeln. Dieser gesellschaftlichen Funktion kann sich auch die GE nicht entziehen. Die Erlasslage sieht vor, dass Schulen spätestens ab Jahrgang 9 Ziffernnoten geben müssen. Die GE hat sich entschlossen, dieses ab Jahrgang 8 zu tun, um vor dem erst möglichen Abschluss (Hauptschulabschluss nach 9) ein Gewöhnungsjahr als Vorlauf zu haben. Es wird aber zu dem Ziffernzeugnis weiterhin der Tutoren- und Schülerbrief als Möglichkeit zu individueller Rückmeldung bis zum Ende der Sekundarstufe I genutzt. Das Zeugnis besteht also aus 3 Teilen.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass Lernentwicklungsberichte notwendiger Bestandteil einer anderen Lernkultur sind:
Ermutigung statt Urteil
Kai 2014: Sein(vor-) letzter LEB
=Ziffernzeugnis mit Tutoren- und Schülerbrief