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Berufsorientierung international – deutsch-französischer Austausch mit Gesamtschule Emsland
In Gastfamilien der Gesamtschule Emsland waren vom 13. bis zum 30. Juni 14 französische Austauschschüler/innen in Lingen und Umgebung untergebracht.


Nach dem herzlichen Empfang im Theater durch den Ersten Bürgermeister Heinz Tellmann im Rahmen des Besuches der Elbeuf-Delegation haben die frz. Schüler/innen im Alter von 15 bis 16 Jahren zuerst ihre Schwestern und Brüder auf Zeit sowie den deutschen Alltag in den Gastfamilien kennengelernt. Abdullah Burhan, Jugendbotschafter der Stadt Elbeuf, und Amaury Lallier waren letztes Jahr schon eine Woche in Lingen und wurden von der Familie Hermeling aus Emsbüren wieder wärmstens aufgenommen. Zudem war bereits Februar 2018 eine Gruppe von 16 Schüler/innen der Gesamtschule nach Elbeuf gefahren, um dort Praktika zu absolvieren. L’échange continue…

Freitag fuhr die gesamte Delegation mit den Jugendlichen nach Deventer in die Niederlande, ab Montag ging es zwei Tage in die Gesamtschule. Neben einer Schulrallye, einem dt.-frz. Frühstück und einem Königsballturnier wurden den frz. Austauschschüler/innen Einblicke in den Unterricht gewährt. Mittwoch fuhren sie gemeinsam mit zwei Klassen zur Ideen Expo nach Hannover, dann gingen ab Donnerstag ihre Praktika in verschiedenen Lingener Einrichtungen und Unternehmen los. Ob im Krankenhaus, in der Kunsthalle, am Georgianum, im Weltladen, Christophorus-Werk, TPZ, Linus, bei Kampmann oder bei Emco, überall wurden sie herzlich empfangen sowie gut betreut und konnten so einen französischen Einblick in die deutsche Arbeitswelt erhalten. Freude gemacht haben auch individuell auf Interessen einzelner Praktikanten zugeschnittene Tätigkeiten in der Kleintierarztpraxis am Theater oder in der Ergoreittherapie Kramer.

Ein Händchen für Tiere hatte Jade und machte sich in der Kleintierpraxis nützlich, Nolan kam immer mit einem Strahlen auf dem Gesicht - wie seine Gastmutter Frau Penning berichtete - von der Tagespflegestation im Christophorus-Werk zurück. In den Austausch mit älteren Menschen zu treten, machte ihm Freude und eröffnete einen neuen Blickwinkel auf Menschen mit Behinderungen. Auch Benoît war begeistert von den Möglichkeiten bei Emco, wo er wie Cyril bei Kampmann verschiedene Abteilungen durchlief und selbst ein Werkstück bauen konnte. Quentin fand es spannend im Weltladen, mehr über fairen Handel und fair gehandelte Produkte zu erfahren. Manchmal empfanden die Praktikanten es allerdings als schwierig, alles zu verstehen oder hatten sich ihr Praktikum anders vorgestellt. Amaury geriet in die Spielpause vom Theater, durfte zwar in den Aufbau des Sting-Konzerts hineinschnuppern, war aber auch bei der Theaterreinigung behilflich.

Die Hitze machte allen etwas zu schaffen. So hochsommerlich hatten sich die Jugendlichen aus der Normandie, wo es selten so heiß wird, Deutschland nicht vorgestellt. Manon war angenehm überrascht von den vielen Bäumen und dem ganzen Grün in der Stadt. Und so war es auch toll, dass man sich im Linus zusammen abkühlen oder in heimischen Gärten Wasserschlachten liefern konnte.

Nach einem gemeinsamen Eisessen, Besuch des Linus und Rosen Talent Day mit allen deutschen und französischen Austauschschülern wurde die interkulturelle, sprachpraktische Berufsorientierungsmaßnahme von einem sehr schönen Abschiedsessen gekrönt - mit allen Beteiligten, Gastfamilien, Austauschschülern und Französischlehrerinnen Anna Keuters-Gels, Ute Ebertz, Christine Meiners, Lisa Achterkamp und Helen Wusterack im Waldhotel Lingen. Familie Neerschulte hatte selbst zwei Austauschschüler, Cyril und Paul, aufgenommen. Ihre Tochter reiste 2018 mit der Gesamtschule Emsland nach Elbeuf und absolvierte dort erfolgreich ihr Praktikum in einem französischen Restaurant. Zwei französische Mütter, Mme Bohere und Mme Pecquet, holten die Austauschgruppe wieder ab und kamen für eine Nacht auch bei den Gastfamilien Neerschulte und Penning unter. Auf diese Weise schloss sich der Kreis, indem sich sogar Familien untereinander kennenlernten. Ein paar Tränen flossen natürlich zum Abschied am Sonntagmorgen, 30. Juni, und alle waren sich einig, dass sie ihre Gastkinder und Gastgeschwister vermissen würden.

Frau Wusterack, Fachobfrau Französisch, von der Gesamtschule resümierte: „Ein gelungenes Projekt auch von unserer Seite! Nachdem wir 2018 so gut in Frankreich empfangen wurden, wollten wir diese Gastfreundschaft erwidern. Das geht aber nur mit tollen Gastfamilien, betreuungswilligen Einrichtungen und Unternehmen, der finanziellen Unterstützung durch die Stadt Lingen, dem eifrigen Partnerschaftskomitee von Elbeuf sowie den Gymnasien Fénelon und Buisson und nicht zuletzt durch ein Team engagierter Lehrkräfte. Die ganze Fachschaft hat mitgearbeitet. Gefühlt endlos viele Nachrichten haben wir in diesem Schuljahr mit allen Beteiligten ausgetauscht, hatten viele Zusatztermine, Verwaltungsaufwand und Arbeit am Wochenende für das Projekt. Aber es hätte sich gelohnt“, meinte Frau Wusterack, die froh war, sich mit den französischen Organisator/innen wie Sylvia Calmes-Brunet und Albert Lannes vom Partnerschaftskomitee in Elbeuf über die Grenzen hinweg gut zu verstehen. Den Austausch von Jugendlichen zu fördern, sei gerade im heutigen Europa enorm wichtig. Darin waren und sind sich alle Beteiligten einig.